Infos über Musikschule, Blockflöte, kostenlose Noten und mehr

Homepage von Franz-Rudolf Kuhnen

Meine Gewerkschaft

Einige persönliche Anmerkungen

Seit 1990 bin ich Gewerkschaftsmitglied. Damit gehöre ich leider zu einer Minderheit an den Musikschulen. Hier möchte nun eine Lanze für meine Gewerkschaft - die ver.di - brechen.

Meine Erfahrungen in der Gewerkschaft

Als ich 1989 meine Arbeit als Musikschullehrer begann, war sehr viel Idealismus von Nöten, um für das damals lächerliche Gehalt überhaupt einen Finger krumm zu machen. Leben konnte man davon ganz bestimmt nicht. Wenn ich mich recht erinnere, erhielt ich 67,50 DM (etwa 34 Euro) im Monat für eine Wochenstunde. Gott sei dank, das Gehalt wurde auch in den Ferien gezahlt. Umgerechnet auf eine Einzelstunde waren dies etwa 21 DM. Wohlgemerkt: Das war das Bruttogehalt. Das Nettogehalt verschweige ich hier, um nicht allzu Mitleid erheischend zu wirken.
Die IG Medien, jetzt heißt sie nach dem Zusammenschluss mit ÖTV, DAG, HBV und der Deutschen Postgewerkschaft ver.di (Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft), erkämpfte damals mit großem Engagement unseren Anspruch auf ein Gehalt nach dem BAT (dem Bundesangestelltentarifvertrag). Für mich bedeutete dies eine Gehaltserhöhung von knapp 30%. Die höchste Einstufung, die Musikschullehrer nun erreichen können ist übrigens BAT IVb. Angesichts der Tatsache, dass wir schließlich einen Hochschulabschluss haben, ist dies immer noch nicht viel.

Verständlich, dass es damals einen richtigen "Run" auf die IG Medien gab. Viel verließen nach diesem großen Erfolg leider wieder die Gewerkschaft, sie stellten fest, dass die Mitgliedschaft auch Geld kostet.

Privatisierungen und "Ferienüberhang"

Als die Kommunen die Lust an den Musikschulen allmählich verloren und Musikschulen privatisiert wurden, schrien viele betroffene Musikschullehrer wieder nach der Gewerkschaft. Die Gewerkschaft versuchte wieder einmal so gut wie möglich und mit unterschiedlichem Erfolg zu helfen.

Bei einem weiteren Problemfeld, den "ferienbedingten Schließungszeiten" (ja, soweit ist unsere Sprache gediehen) war sie wieder vor Ort. Nun, dieser furchtbare Begriff, der auch als "Ferienüberhang" bekannt ist, bedarf wohl einer kurzen Erläuterung:

Eine angenehme Nebenerscheinung des Lehrerberufes sind die Ferien. Auf diese Weise haben Lehrer, dazu gehören auch wir Musikschullehrer, etwas mehr Urlaub als andere Arbeitnehmer. Das ließ in den neunziger Jahren auch die Musikschulträgern aufmerken, so dass sie beschlossen, der "zu viel" erteilte Urlaub müsse durch Vorarbeiten abgegolten werden. Ungeachtet der Tatsache, dass unser Beruf nicht nur aus reinem Unterrichten, sondern auch aus zum Teil erheblich viel Vorbereitungszeit besteht und freie Wochenenden für Musikschullehrer nicht gerade eine Selbstverständlichkeit sind (Musikschulkonzerte, Werbeveranstaltungen, usw.) forderten einige Arbeitgeber eine Erhöhung der Wochenunterrichtszeit um bis zu 20%, natürlich ohne das Gehalt dafür zu erhöhen.

Spätestens jetzt zeigte sich, wie sich das mangelnde Engagement der betroffenen Kollegen auswirkte: Um ein für die Musikschulen gutes Ergebnis bei den zu verhandelnden Betriebsvereinbarungen zu erzielen, war die Gewerkschaft auf die Personalräte der Kommunen angewiesen. Schließlich haben nur wenige kommunale Musikschulen einen eigenen Personalrat. Zu wenige Musikschullehrer engagierten sich in der Vergangenheit bei Personalratswahlen. Folglich gab es auch nur wenige Musikschullehrer in den zuständigen Personalräten. Da diese aber auch schon ohne die Musikschulen mehr als genug zu tun haben, standen Themen wie "Ferienüberhang" nicht gerade oben auf deren Prioritätenliste. Ein Aufbegehren der Personalräte gegen den Ferienüberhang war daher kaum zu erwarten.

Das Ergebnis war denn auch entsprechend:
Am besten schnitten Musikschulen mit eigenem Personalrat ab. Einige (sehr wenige) Musikschulen kennen keinen Ferienüberhang. So z.B. die KMS Rhein-Hunsrück. Dem Personalrat ist es dort geglückt die Zuständigen im Kreis von seinen Ansichten zu überzeugen. An anderen Musikschulen stieg die Wochenunterrichtszeit um bis zu 5 Stunden. Dort sind Musikschullehrer mangels Zeit mittlerweile dazu verurteilt, bessere Unterrichtsroboter zu sein. Am Willen der Kollegen zu stärkerem Engagement mangelt es da bestimmt nicht.

Gewerkschaft und Musikschule heute

Selten kommt es vor, dass man von Neueinstellungen in Musikschulen hört. Sehr wenige haben das Glück, einen richtigen Angestelltenvertrag zu bekommen. Allenthalben werden nur noch Honorarverträge abgeschlossen. Die Folge ist für die Schüler oft gravierend:
So gibt es Schüler, die innerhalb eines Jahres 4 Lehrerwechsel erlebt haben. Die Lehrer kamen und sie gingen auch schnell wieder, als sie merkten, dass man von dem geringen Honorar nicht leben kann.
Es gibt aber auch Lehrer, die seit Jahren nichts anderes kennen als Honorarverträge. Einige davon entwickeln dennoch ein beachtliches Engagement, natürlich ohne eine dafür angemessene Vergütung zu erhalten. Sie müssen eben von ihrem Honorar leben. Nicht wenige verfluchen sich dafür, dass sie keinen anderen Beruf ergriffen haben.

Doch haben diese neu eingestellten Honorarlehrer eines mit denjenigen Glücklichen gemeinsam, die mit einem BAT-Vertrag angestellt wurden: Das Wort "Gewerkschaft" ist für sie ein Fremdwort.
In Gesprächen mit neuen Kolleginnen und Kollegen entdecke ich kaum die Bereitschaft zum Eintritt in die ver.di. "Tja, Gewerkschaft kostet eben. (Gerade mal 1% vom Bruttogehalt). Und außerdem bekommt man die Gehaltserhöhungen auch wenn man kein Gewerkschaftsmitglied ist. Drittens schimpft es sich leichter auf die 'dicken Bonzen bei der Gewerkschaft' wenn man kein Mitglied ist. Man ist nicht verpflichtet, sich mit den Problemen der Gewerkschaft auseinander zusetzten. Und wenn eine Musikschule geschlossen werden soll, dann kann man ja sowieso nichts dagegen machen ..."

Übertreibe ich vielleicht? Sicher treffen die eben gemachten Anmerkungen nicht auf jeden zu, der nicht Gewerkschafter ist, aber man möge mir doch glauben: Ich habe mir diese nicht aus den Fingern gesogen! Wenn sich nun doch jemand angegriffen fühlt - die Gewerkschaft bietet Rechtsbeistand - ach so, natürlich nur für Mitglieder. Noch ein Versuch: Wenn sich nun doch jemand angegriffen fühlt, möge sie/er seine(n) Ärger runterschlucken und einen Mitgliedsantrag bei der ver.di einreichen. (Ach, gönnt mir doch mal ein wenig Ironie.) :-)

Danke

Zum Schluss möchte ich es nicht versäumen, mich bei all denen in der Gewerkschaft zu bedanken, die uns Musikschullehrern all die Jahre trotz vieler Widrigkeiten unterstützt haben. Dank sei auch den Müllmännern und allen anderen gesagt, die für uns oft genug streikten und dabei viele Unannehmlichkeiten auf sich genommen haben. Traurig stimmt mich aber, dass gerade diese Menschen letztlich am wenigsten von den Lohnerhöhungen haben. 2,4 % von einem niedrigen Lohn ergeben nicht soviel wie 2,4% von einem hohen Lohn.